donnerkuppel

Warum heißt die ´Freitod-Hangel´  `Freitod-Hangel`?

Ja, warum denn?

Wir lebten noch in Göttingen, da waren wir mal auf einer Klettererparty in Braunschweig und Holgi zeigte Bilder vom Klettern und vor allem Bouldern im Harz im Okertal.  Beeindruckende Bilder von Alex K. aus dem `Flash`. Nun bin ich ja auch schon eine Weile im Geschäft und z.T. auch im Harz sozialisiert worden, aber das war auch für mich ein Hingucker und mir nie bewusst  gewesen, dass das Okertal so ein Potential besitzt.

Irgendwann lebten wir nun selber im Harz, und obwohl ich eher der Bergsteiger und Kletterer bin, kam auch ich auf den Bouldergeschmack. Denn es gibt im Okertal einfach TOPBOULDER und irgendwie trainiert es ja auch für den Berg, für den echten, und wenn man so alleine ist, nach Feierabend z.B, ist das die beste Variante doch zu `klettern`.

So surfte ich durchs Okertal, schaffte den ein oder anderen Boulder, einige natürlich auch nicht und überlegte mir sogar, dass da auch einige neue Möglichkeiten bestehen.

Und so kam ich eines Tages an der Donnerkuppel, so heißt der Boulderblock,  vorbei. Hier gab es schon einen Sitzstart-Boulder von Arne Grage, der aber, meiner Meinung nach, etwas unbefriedigend zu schnell endet bzw. aussteigt. Eigentlich zeigt sich eine logische, aber halt recht schwere Weiterführung des Boulders. Klar war, dass man einen großen Teil dieser Verlängerung hangeln muss. Man steuert eine Kelle an, muss dann noch um die Ecke queren, bevor nach dieser der Ausstieg sich in Form eines Mantlers recht logisch ergibt. Nach dem Sitzstart bricht der Block unter den Füßen überhängend ab, daher die Hangelei an eher nicht vorhandenen Slopern (jedenfalls für mich nicht vorhandenen).  

So, warum denn nun `Freitod`? Sicherlich, liegt der Ausstieg in einem nicht sehr angenehmen Absprunggelände – vertut man sich, könnte man sich in der Nähe des Okerbachbettes wiederfinden, und die Donnerkuppel ist gegenüber des Treppensteins. Nein, so schlimm ist es nicht, ich bin ja dann doch auch nicht so der Hasardeur. Vielmehr liegt dem Namen ein Ereignis zugrunde, was ich auch nicht gedacht hatte, es so zu erleben. Sloper beherrschen den Start des Boulders, und hier eher komische, bzw. nicht recht definierbare. Für mich funktionierte das nur so, indem ich den Sloper griff und zusätzlich den ganzen Unterarm auf den darunterliegenden Felsbereich auflegte. Wer den Okertalgranit kennt, der weiß, dass das schon mal einen Angriff auf die Haut bedeutet – allein beim klettern. Jetzt ist dieser Boulder kein Spaziergang, jedenfalls für mich nicht und der Startboulder  von Arne allein ist auch schon 7a+, da kann es schon mal passieren, dass man halt bouldern muss, ausprobieren muss und vielleicht auch mal fällt. Fallen ist ja o.k., man landet auf dem Crashpad – und meistens ist alles i.O. Ich fiel allerdings nicht, ich rutschte, versuchte mich zu halten und rutschte dann noch mehr und irgendwann richtig. Natürlich nur mit den Händen bzw. mit meinen Unterarmen von den Slopern, die Füße waren ja nicht am Fels. Auf dem Crashpad angekommen erschrak ich je über meinen einen Unterarm im Bereich der Pulsadern. Ein ca. 3cm langer Cut, tatsächlich wie mit dem Messer geschnitten und einem Selbstmörder nicht nachstehend, zierte meinen Unterarm. Zum Glück sprudelte das Blut nicht so, wie man es eigentlich in dieser Gegend erwarten könnte. Ich glaube, dass ich aber wohl doch Blässe annahm .

Was tun? Notarzt? Wie erkläre ich dem Rettungsdienst, wo ein Boulderblock bzw. Kletterfelsen ist, der Donnerkuppel heißt? Keine Chance. Erstmal meine Rucksackapotheke. Keine Rucksackapotheke, die war im Kletterrucksack und doch nicht im Boulderrucksack, wo man sie eh nie braucht – dieses ewige hin und her packen, unnötig.

Ein bißchen Blut trat ja nun doch aus. Ein Granitkristall hatte mich aufgeschlitzt und  mir also den Klettertag versaut, aber irgendwie musste ich mich verarzten. Was keiner hat, haben aber Kletterer – Tape. Eng und fest wurde der Riss, den man mit einer Art Platzwunde vergleichen konnte, verbunden.

Einigermaßen klar in den Knien ging es hinunter zum Auto. Da war ich dann schon am Überlegen, ob ich wieder hochgehen sollte, und weiterprobiere: Nur die Harten komm’ in Garten! O.K., ich bin ins Krankenhaus gefahren und dort erzählte ich auch ehrlich diese Geschichte.  Die Blicke des Arztes und der Schwestern muss man sich in etwa so vorstellen, als wenn ich ihnen erzählt hätte, ich käme von einem kleinen Planeten in Mitten der Beteigeuze und möchte gern ihr `Oberhaupt´ sprechen. Dies würde im Übrigen sogar Sinn machen, dass man sich von da aus auf den Weg macht zu neuen Heimaten, da dort in absehbarer Zukunft (ca. 1000-100000 Jahre) eine Supernova zu erwarten ist, die selbst den größten und stärksten Bergsteiger aus der Wand pusten würde. AUßER  natürlich den allergrößten…ihr wisst, wen ich meine.

 Ich hatte gut getaped, es wurde nur geklammert, nicht genäht und so tief war es nun auch wieder nicht – kaum Blutverlust. Wer es nicht glaubt… den Beweis habe ich in Form einer netten Narbe an meinem rechten Unterarm – einen echten Freitodversuch werde ich wohl erst unternehmen, wenn jemand von einem kleinen Planeten in Mitten der Beteigeuze mich entführt und es dort nichts zu klettern gibt.

Mittlerweile ist der Boulder geklettert – bisher ohne Wiederholung. Ich hatte mir ein langärmeliges Shirt am Handballen festgetaped, so dass eine weitere Verletzung in diesem Stil nicht mehr so wahrscheinlich wurde.

Somit, und darum: `Freitod-Hangel` 7b, 1. Beg. Stefan Bernert, 2008,  an der Donnerkuppel, Harz / Okertal.

Wiederholer seien herzlich eingeladen, aber auch gewarnt vor diesem dennoch 1A TOPBOULDER.

 

Stefan Bernert

28.8.13 11:20

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen