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Kanada 2004, ein Reise- und Klettertagebuch

 

10.7.: erster Ferientag. Morgens aufgestanden und Kaffee getrunken. Denke an Risse. Mietauto abgeholt und einkaufen gefahren. Das Bier ist sauteuer, außerdem ist schlechtes Wetter, wie bei uns. Zum Campground gefahren: Full. Scheiße. Zum nächsten Campground gefahren: Full. Scheiße. Irgendwo hingestellt, zwar nicht  Full, aber auch scheiße.

 

11.7.: Morgens aufgestanden, Kaffee getrunken. Denke an Risse. Zum Campground gefahren: Full. Scheiße. Zum nächsten Campground gefahren: Platz am Klo bekommen. Schei…, was solls. Durch Wald zum Fels gefahren und Risse geklettert. Sehe nicht mehr so aus, wie heute Morgen. Das Bier ist auch schon alle. Müssen einkaufen fahren.

 

12.7.: Vormittags aufgestanden, Kaffee getrunken. Denke an den Selter, muss aber mit dem, was noch von mir übrig ist,  Risse klettern. Durch Wald gefahren und durch Wald gelaufen. Einem  Bären begegnet. Sehr süß. Einzige kletterbare Linie am Fels gemacht. Breiter Riss. Verändere mich immer mehr. Müssen heute unbedingt Bier kaufen.

 

13.7.: Aufgestanden und Kaffee getrunken. Denke an den Rückflug. Durch Wald gelaufen, verzweifelt den richtigen Fels gesucht und nicht gefunden. Einem sehr kleinen Bären begegnet, später seiner Mutter…. Bin im Grunde nicht wiederzuerkennen. An Klettern ist erst mal nicht zu denken. Die Bären haben außerdem das Auto geknackt und die Bierdosen zerstört.

 

16.7.:  Irgendwann Kaffee getrunken. Durch Wald gefahren, der ab und zu von einigen Waldstücken unterbrochen war. Ansonsten hat man vor allem Wald gesehen. Im großen und ganzen eine sehr waldreiche Gegend hier. Setze seit drei Tagen keinen Fuß mehr vor die Autotür. Abends im Pub gewesen und mit einer Horde Holzfäller über die besten Motorsägen diskutiert und über Fichtenfällung im Harz erzählt. Wurde laut ausgelacht und gezwungen die Zeche zu bezahlen.

 

18.7.: Morgens aufgestanden und Bier getrunken. Schnell aus dem Auto raus und in das Kanu, das

ich mir geliehen hatte. Bin gekentert. Ans Ufer und Klamotten getrocknet. Habe geglaubt einen Bären zu sehen und bin echt schnell gelaufen. Vom Ranger wegen unsittlichem Verhalten verhaftet worden. Außerdem hätte ich ja wenigstens die Bierdose aus der Hand nehmen können.

 

20.7. Irgendwie morgens hochgekommen (immerhin besser als am Berg), Kaffee getrunken. Traue mich wieder. Durch Wald zum Fels gefahren. War heute mit Sichern dran. Da wir im Wald waren, bin ich von Mücken angegriffen worden. Sehe wieder so ähnlich aus, wie am zweiten Tag.

 

24.7. Ruhetag, dennoch aufgestanden und Kaffee getrunken. Habe mir eine Angel und Watstiefel geliehen. Da am Ufer zu viele Mücken waren, bin ich etwas weiter ins Wasser. Bin ausgerutscht und die Watstiefel sind vollgelaufen. Wäre beinah ersoffen, konnte mich aber mit letzter Kraft ans Ufer retten, habe dort den kleinen Bären wiedergetroffen….   

 

26.7.: Konnte nach zwei Tagen wieder aufstehen und habe Tee bekommen. Denke an die Filme, die Holgi mir ab und zu besorgt. Muss aber doch irgendwie noch was klettern, da der Urlaub bald rum ist.

 

30.7.: letzter Tag: Morgens frisch aufgestanden und Kaffee getrunken. Habe mir eine coole 5.11c Reibungsplatte als Abschlusstour ausgeguckt. Kein Wald, keine Mücken, keine Bären und keine Risse weit und breit. Bin vorm vierten Haken, also in der dritten Seillänge gestürzt. Habe die Bemerkung serious übersehen. Sehe aus, als hätte ich den Vater von dem kleinen Bären auch noch getroffen und denke, mit dem was mir zum Denken über geblieben ist, an Holgis Filme.

 

P.S. Die nicht beschriebenen Tage sind ähnlich verlaufen….

 

 

 

Nein! So schlimm war dieser Kanadaurlaub, der sich vornehmlich auf British Columbia beschränkte, doch nicht. Die Bären nicht halb so arg, die Mücken hielten sich nun wahrlich in Grenzen und Holzfäller vertragen nun mal was; außerdem mal Hand aufs Herz: die harzer Fichte kann wirklich nicht mit der kanadischen Douglasie mithalten.

Die Klettergebiete sind fantastisch. Als Tipp: Squamish ist immer noch eine Reise wert. Hier kann man zwischen traditionellem Riss-/ Reibungs-/Big-Wallklettern und gut gesichertem Sportklettern locker auswählen. Man findet jeden Schwierigkeitsgrad und  auch der ambitionierte und natürlich checkende Boulderer findet unter der Wahnsinnswand des Chiefs ein wahres Blockparadies vor. Außerdem lädt die nur 60km entfernte, traumhaft schön gelegene Metropole Vancouver zu Kultouren ein.

Weiter ging es in die Rockies, bester Sandstein im Jasper N.P. und vor allem traumhafte Routen im Quarzitgestein am Lake Louise. Und nicht nur die Routen sind hier traumhaft, sondern auch die Kulisse. Etwas weiter im Süden empfing uns dann noch die nicht so schöne Stadt Banff, die vor allem vom Tourismus mit seinen, in diesem Fall eher negativen Auswüchsen, bestimmt wird. Die Kalkklettergebiete um Banff, welche zu den besten in Kanada gehören, rissen uns nicht so vom Hocker, sind aber dennoch einen Abstecher wert. Und obwohl wir in den Bergen waren, war das Wetter drei Wochen lang einfach nur sehr gut.

Als Rundreiseroute bieten sich die Stationen Vancouver-Squamish / Whistler (K)-Über die Duffy Lake Road nach Lilloet-Wells Gray Park-Jasper N.P. (K)-Lake Louise (K)- Banff N.P. (K)- Abstecher nach Calgary und die Badlands-zurück durch den Yoho N.P. und den Mt. Revelstoke N.P.-Okanagan Valley und Kelowna (K)- irgendwie direkt zurück nach Vancouver oder über Merrit-Lytton wieder nach Lilloet und zurück nach Vancouver.

 

Das alles in drei Wochen, viel Spass! Geht, ist aber stressig. Wir haben nicht alles geschafft. Nähere Infos über die übliche Art und Weise (Netz, Zeitschriften) oder persönlich von denen die da waren.. (K=Klettergebiete)

 

Stefan Bernert, Bad Harzburg

28.8.13 21:07

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